Bootstour Juni 2011 - Joeludwig

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Bootstour 2011

Juni 2011




Unverhofft kommt oft.....


Mit diesem Sprichwort könnte man diese Bootstour aus meiner Sicht sehen, denn eigentlich hatte ich meinen Urlaub etwas anders geplant.
Drei Tage vor Tourbeginn fragte mich mein alter Kumpel Thomas, ob ich nicht Lust hätte, mit einigen Kollegen seiner alten Dienstgruppe eine Bootstour zu machen, da bei ihnen der Skipper kurzfristig ausfiele und somit niemand mehr mit Führerschein und genug Erfahrung in der Truppe war.

Ich war sofort einverstanden und sagte zu.
Da ich das Fahrgebiet um Warmond noch nicht kannte, nahm ich zuerst mal mein Kartenmaterial auf WINGPS von Stentec unter die Lupe.
Es galt ab jetzt, in den noch drei verbleibenden Tagen eine Fahrroute auszuarbeiten!




Das vorläufige Ergebnis:



Mein Kumpel Tommi  hatte mich über die Gepflogenheiten und Wünsche der Anderen informiert, somit wusste ich, daß alle möglichst viel von der Gegend sehen möchten und durchaus bereit waren, 60 - 70 km am Tag zu fahren.

Auch über unser gechartertes Boot informierte ich mich vorab, so dass ich alle relevanten Details wie Tiefgang , Höhe und Breite in die Planung mit einbeziehen konnte.

Das Boot war ein Monster !!!!

Ich hatte ja schon so manches Boot gefahren, aber das Ding war die Krönung meiner bisherigen Bootskarriere !


 


Es handelte sich um die " Olympia II ". Sie war 15 m lang und 5 m breit bei einem Gewicht von  ca.30 Tonnen und hatte die Fahreigenschaften einer riesigen Badewanne.
(Das mit der Badewanne soll nichts Negatives bedeuten! Das Boot hat durchaus auch seine positiven Seiten)
Nähere Details können auf der Homepage von Olympia Charters entnommen werden.

http://www.olympia-charters.nl




Nun aber zum Törn selbst.
Wir trafen uns Montag morgens bei Rocki und verstauten alle Utensilien in drei PKW.
Ich war erstaunt über die gute Gesamtplanung. Die Kolleginnen und Kollegen hatten an alles gedacht.
Sogar eine Zapfanlage und genug Fassbier war eingepackt worden.
Tanja, Achim und ich stellten unsere PKW zur Verfügung und bevor es losging, wurde noch kurz die Fahrroute über Hollands Autobahnen bis Warmond abgesprochen.
Nach ca. fünf Sunden Fahrzeit und etlichen Staus unterwegs trafen wir bei herrlichem Sonnenschein und 28 Grad Lufttemparatur beim Vercharterer ein.
Nachdem alles an Bord verstaut war, wurden wir durch einen Mitarbeiter von Olympia Charter unterwiesen. Anschließend folgte eine Einweisungsfahrt.
Bei den Anlegemanövern war das Boot dank eines Bug- und Heckstrahlruders erstaunlich gut zu manövrieren, bei Geradeausfahrten allerdings reagierte die Ruderanlage sehr träge.

Dann konnte es endlich losgehen!
Unsere erste Etappe erstreckte sich nur über ca. 25 km, da wir erst spät vom Charterhafen ablegen konnten.
Vorgeplant war von mir als Ziel des heutigen Tages ein kleiner See am Aarkanaal in der Nähe von
Alphen a/d Rijn.
Viele Brücken im Fahrgebiet rund um Warmond sind bewegliche Brücken mit einer Durchfahrtshöhe
von 2,5 Meter. Hier machte sich unser Boot mit seiner flachen Bauweise bezahlt, denn wir mussten
beim Passieren dieser Brücken lediglich die Stühle an Deck hinlegen und die Köpfe einziehen.

Bei langsamer Fahrt voraus kamen wir so unter diesen Brücken ohne Wartezeit durch.
Ich hatte zwar bei diesen Aktionen ein mulmiges Gefühl, aber gepasst hat es immer.




 






















eine der vielen Brücken mit einer Durchfahrtshöhe von 2,5 m, hinter uns die Olympia I

 



So schipperten wir gemütlich bei immer noch sehr warmen Temperaturen und herrlichem Wetter den "Oude Rijn" entlang und passierten mehrere kleine Örtchen, bevor wir Alphen erreichten.
Bis da hin hatten wir allerdings noch zwei bewegliche Brücken, vor denen wir eine kleine Wartezeit einkalkulieren mussten, da sie selbst für unseren "Flachbau" zu niedrig waren.
Hinter Alphen bogen wir in den Aarkanaal ab. Bis zu unserem ersten Ziel, dem Zegerplas, waren es nur noch etwa 2 km, und Rocki und Hölle machen schon mal den Grill startklar.
Eigentlich wollte ich ja in einem Yachthafen im Zegerplas anlegen, und mein Kartenmaterial sagte auch aus, dass die Brücke, die wir noch passieren mussten, von der Höhe her 2,5m hatte.
Nur eins hatte ich nicht bedacht:
Unser Boot war 5 m breit und die Durchfahrbreite der Brücke nur 4,5m!
Also blieben wir gezwungener Maßen an einem Anlegeplatz im Aarkanaal.
Nachdem das Boot festgemacht war, wurde der Grill aufgebaut und erstmal ein schönes frisch gezapftes Bier getrunken.

























Am Wegrand wurde der Grill aufgestellt.





Dienstag: von Zegerplaas über die Amstel und Vecht bis zum Ijsselmeer.


Heute lagen ca. 60 km vor uns.
Vor dem Frühstück stellten wir fest, daß unsere 230 Volt Stromversorgung nicht so funktionierte,
wie wir uns das vorstellten. Die Kaffeemaschine setzte zwischendurch immer mal aus und alles Andere
über Strom betriebene wollte auch nicht so richtig mitspielen.
Nachdem wir mehrmals zwischendurch den Umwandler vom Netz genommen hatten, klappte es aber doch noch mit frischem Kaffee.
Nach ausgiebigem Frühstück legten wir ab und fuhren zunächst noch ein Stück auf dem Aarkanaal bis zur Tolhuissluis, die uns in die Amstel beförderte.
Das Wetter sollte sich bis zum Abend von seiner besten Seite zeigen, und so hatten alle ihren Spass.


 



Die ca. 30 km über die Amstel gestalteten sich sehr abwechselungsreich, ein wirklich zu empfehlendes Fahrgebiet.
Auch die beweglichen Brücken hielten sich in Grenzen, wir kamen immer zügig voran.
Kurz vor Amsterdam fuhren wir in die Weesper Trekvaart ein, damit wir nicht die unzähligen Schleusen und Brücken in Amsterdam bewältigen mussten.
Bei Driemond überquerten wir den Amsterdam - Rhein - Kanal und befuhren danach die Smal Weesp, um in die Vecht zu gelangen.
Wie der Name schon sagt ist die Smal Weesp ein enges Gewässer, was mit unserem Monsterboot etwas schwierig zu befahren war.
Wir kamen aber unbeschadet durch und hatten wiederum kaum Aufenthalte vor den Brücken und der Schleuse.























Die Smal Weesp
vor einer Brücke..
























...und nach der Durchfahrt







 



Das letzte Teilstück des heutigen Tages führte uns über die Vecht bis Muiden. Diese Strecke war mir aus früheren Törns recht gut bekannt.
Eigentlich wollten wir hinter der Seeschleuse zum Ijsselmeer im Jachthafen anlegen und den Tag dort ausklingen lassen.
Leider bekamen wir aber im Hafen keinen Liegeplatz mehr !
Also wurde kurzerhand umgeplant und wir fuhren ein Stück weiter auf das Ijsselmeer Richtung Almere.
Auf dem Weg bis ins Ijsselmeer passierten wir einen alten Dreimaster und die Burg von Muiden.


 
 


An Backbord lagen insgesamt 3 kleinere Inseln, wovon wir die dritte mit dem schönen Namen" Hooft " ansteuerten.
Dort hatten schon einige Boote festgemacht und wir gesellten uns zu Ihnen.



Im Verlauf es nachmittags legten dann noch zwei große Plattbodenboote an der Insel an, so dass es recht voll wurde.
Tanja und Bianca nahmen erst mal ein Bad im doch noch recht kühlen Ijsselmeer, bevor wir den Grill anwarfen und die Angeln klar machten.










Die Männer beim angeln...



Bis zum Abend hin hatten wir herrliches Wetter, bis uns plötzlich eine heftige Gewitterfront zwang, den Tag unter Deck ausklingen zu lassen.
Die ganze Nacht hindurch zuckten die Blitze über dem Festland, so dass wir ein einmaliges Naturschauspiel geboten bekamen.

 



Mittwoch: vom Ijsselmeer über die Vecht und die Hollandse Ijssel bis Ijsselstein

So langsam mussten wir uns wieder Richtung Heimathafen orientieren!
Die Hälfte unseres Törns lag hinter uns, und unsere Fahrt ging von nun an wieder Richtung Süden.
Da wir nicht den gleichen Weg zurück fahren wollten, hatte ich für heute die gesamte Vecht als Teilstück vorgesehen.
Aber zuerst mussten wir wieder durch die Seeschleuse Muiden.
Diese Schleuse ist übrigens eine der wenigen Schleusen und Brücken, an denen man ein paar Euro für die Passage bezahlen muss.
Es folgten ca. 35 km auf der schönen Vecht mit ihren unzähligen Wohnbooten am Ufer und den kleinen Häusern mit den Anlegestegen für die hauseigenen Boote der Anwohner.



Da ich diese Strecke schon ein paar Mal befahren habe, wusste ich, dass wir in der Mittagszeit eine einstündige Zwangspause vor eine der vielen Brücken haben werden, denn das Bedienungspersonal hat dann Mittagspause.
Bis dahin kamen wir reibungslos und ohne große Wartezeiten voran.
In Breukelen legten wir an. Tommi und ich gingen in das kleine Städtchen, um uns neue Köder
für die nächste Angelsitzung zu besorgen.
Ein Muss bei einer solchen Stadtbegehung ist natürlich, dass man sich eine Portion Fritten speziaal mit Frikandel speziaal kauft.
Speziaal bedeutet in Holland, daß auf die Pommes und die Frikandel jeweils zusätzlich Zwiebeln, Ketchup und
Mayonaise kommen.
Das Menü ist für manch einen gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber genial!
Nachdem das Brückenpersonal seinen Dienst wieder aufgenommen hatte, fuhren wir weiter bis Maarssen.

In Maarssen liegt direkt an der Vecht die ortsansässige Feuerwehr mit ihrem Gerätehaus und ein großes Polizeiboot am Steg.
Ca. 500 m dahinter gibt es eine direkte Verbindung zum Amsterdam - Rhein  - Kanal. Diese schmale Passage nahmen wir und folgten dem Kanalverlauf für etwa 10 km Richtung Süden.
Der A-dam Rhein Kanal ist für Sportboote nicht sehr schön zu befahren, da rechts und links nur Spundwände zu sehen sind und vor Allem viel Berufsschifffahrt unterwegs ist.























Der Amsterdam-Rhein-Kanal Richtung Utrecht

 



Aber die eine Stunde überlebten wir und von da an wurde es wieder wesentlich ruhiger und auch landschaftlich schöner.
Bei km 41 des Kanals fuhren wir in den Merwedekanaal ein, und von dort weiter Richtung Ijsselstein






















Schleuse Merwedekanaal



Bis zur Hollandse Ijssel mussten wir noch die Doorslagsluis passieren.
Diese Schleuse steht in in der Regel offen, hat aber für unser breites Boot seine Tücken.
Die Durchfahrtsbreite beträgt "nur" 5,80 m da unser Gefährt aber schon 5 m breit war, musste man schon mit aller Vorsicht manövrieren. Erschwerend hinzu kam, daß die Einfahrt noch leicht gekrümmt verlief. Wäre das Boot ein paar Meter länger gewesen, wir hätten wohl zwischen Abweisedalben und Schleusenmauer festgesteckt.



Doorslagsluis bei Nieuweigein mit einer Breite von nur 5,8m

Brücke Ijsselstein kurz nach 16:00 Uhr...

... und um 18:00 Uhr nach der Pause




In dem idyllischen Örtchen existieren 2 bewegliche Brücken, die etwa 500m auseinander liegen.
Nachdem der Brückenwärter uns durch die erste durchgelassen hatte, schwang er sich auf sein Fahrrad, um uns die andere Brücke zu öffnen.
Dafür hatte er sich sein Brückengeld redlich verdient!
Die letzten km dieses Tages fuhren wir durch ein wiederum schönes Fahrgebiet bis zu unserem heutigen Anlegeplatz , dem Yachthafen Marnemoende.
Dieser Yachthafen existiert erst seit ein paar Jahren und ist auf älterem Kartenmaterial noch nicht eingezeichnet. Dort steht lediglich, das er in Planung ist.
Der Hafen ist wirklich empfehlenswert!
Sehr gepflegter Zustand und humane Preise. Wir zahlten für die Nacht mit unserem Koloss unter 20,00 € für die Liegegebühr, Strom und Duschen für alle inbegriffen!
Lediglich für Frischwasser mussten wir etwas bezahlen.
Wie immer wurden nach dem Abendbrot die Angeln rausgeholt und bei einem frisch gezapften der Abend verbracht.





Donnerstag: von Ijsselstein über Gouda bis Warmond


Früh morgens  legten wir zeitig ab weil wir in Gouda noch einen Zwischenstopp einlegen wollten.
Bis dahin lagen sehr ruhige 26 km auf der Hollandse Ijssel  vor uns. Die sechs beweglichen Brücken und die Schleuse vor Gouda passierten wir recht zügig.
Kurz vor der allgemeinen Mittagspause schleusten wir durch die Mallegatsluis und fuhren mitten durch Gouda.


 
 



Im Passantenhafen machten wir das Boot fest.
Dann ging es zu Fuß in die Stadt.
Die Einkaufsstraßen in Gouda sind schon etwas Besonderes. Überall zwischen den Häusern sind große Käselaiber aufgehängt. Ob die echt sind, wage ich mal zu bezweifeln, sieht aber trotzdem lustig aus.






































An der alten Markthalle
wird der Original Gouda
verkauft


 




Zurück an Bord setzten wir unsere Fahrt fort.
Hinter der Schleuse zur Nieuwe Gouwe , die uns weiter mitten durch die Stadt führte, fuhren wir an der"Arche Noah" vorbei.


 



Es dauerte noch etwa zwei Stunden bis Alphen a / d Rijn. Dort trifft die Gouwe auf den Oude Rijn. Hier bogen wir ab Richtung Leiderdorp.
Dieses letzte Teilstück unserer Tour kannten wir schon von Montag Nachmittag.
An Leiden vorbei folgten wir der Zijl bis zu unserem Heimathafen in Warmond.

Abends ließen wir die Tour bei ein paar Bierchen gemütlich ausklingen, bevor am nächsten Morgen das Boot an den Vercharterer übergeben und die Rückreise angetreten wurde.


Joeludwig 2011

 
 
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